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1912 beteiligte sich ein
kleines, noch namenloses Grüppchen von Freunden aus dem Steinen-Quartier
an der Fasnacht. Nachdem dieses Experiment zur Zufriedenheit aller
verlaufen war, schritten diese Freunde unter Zuzug weiterer Interessenten
zur Gründung einer richtigen Fasnachtsgesellschaft, die sie „Alti Stainlemer“
nannten. Gründungsdatum war der 23. Dez. 1912. Noch heute treffen sich
die Stainlemer, zum Schrecken ihrer Familien, am Tag vor dem Heiligen
Abend, um den Geburtstag ausgiebig zu feiern.
Da 1912 die aktive Beteiligung an der Strassenfasnacht
ausschliesslich Männern vorbehalten war, wurden auch die Stainlemer
naturgemäss als Männerclique gegründet. Bis heute ist die Clique –
und dies ist im Cliquenwesen eher eine Ausnahme! – nie von einer
Spaltung betroffen gewesen und hatte immer genügend Mitglieder, so dass
die Aufnahme von Frauen nie zur Debatte stand!
1913 beteiligten sich die Alten Stainlemer – eine Handvoll Vortrüppler,
3 Pfeifer, 1 Tambourmajor und 6 Tambouren – mit dem Sujet „Friedenskonferänz
im Haag“ an der Fasnacht. Die fasnachtslose Zeit der ersten Weltkriegs
überstanden die Stainlemer unbeschadet. Als 1919 die Regierung beschloss,
die Fasnacht ausser dem Morgenstraich abzusagen, revoltierten die
Stainlemer als einzige Clique gegen diesen Beschluss und zogen nach
Binningen, wo sie die Fasnacht feierten. Dieser Coup führte dazu, dass
die damals beste Pfeifergruppe, jene der sich auflösenden Beppi-Clique,
geschlossen zu der Stainlemern übertrat. Von diesem Zeitpunkt an, waren
die Alten Stainlemer eine der führender Fasnachtsgesellschaften, vor
allem auch musikalisch.
In den folgenden Jahren brachten die Stainlemer zahlreiche, noch
heutig fängige Märsche zur Uraufführung: d Stainlemer,
Pfyffer-Retraite, Pfyffer-Tagwacht, Glopfgaischt, Elfer, Querpfyffer,
Ryslaifer, z Basel am mym Rhy usw.
Schon 1926 bekannter sich die Stainlemer mit der Gründung der
Jungen Stainlemer zu einer nachhaltigen Nachwuchsförderung. Mit ihren
Junger brachten sie 1927 auch als erste eine eigentliche Trommelschule auf
die Bühne des Drummelis.
Ebenfalls 1926 erfolgte die Gründung der ersten ‚Guggemuusig’,
der heute noch aktiven „Jeisy Migger-Gugge“. Auch hier waren die
Stainlemer bahnbrechend, war doch Migger Jeisy ihr Pfeiferchef. Er hat
diese ‚Guggemuusig’ zur Belebung des Fasnachtsdienstags ins Leben
gerufen. Lange Zeit beteiligten sich zahlreiche Stainlemerr in dieser
Gruppe!
Ein weiterer mutiger und unkonventioneller Schritt war 1936 der
Beitritt zum Schweizerischen Tambourenverband. Zu einer Zeit, in der ganz
Basel noch über die Trommelkunst der übrigen Schweizer lachte,
beteiligten sich die Alten Stainlemer an Tambourenfesten – und dies bis
heute mit hervorragenden Erfolgen! Mussten sich die Stainlemer wegen ihres
Einsatzes im Tambourenverband jahrzehntelang das Gespött der andern
Cliquen anhören, konkurrieren ebendiese Cliquen heute mit grösstem Eifer
an solchen Anlässen..
Nach dem 2.Weltkrieg brillierten die Stainlemer mit
unkonventionellen Auftritten am Drummeli. Als alle anderen Cliquen noch
lange konventionelle Märsche zum Besten gaben, experimentierten die
Stainlemer seit 1947 mit ungewöhnlichen Melodien und Show-Einlagen. Dies
trug ihnen neben viel Applaus und Anerkennung auch etliche Neider ein. So
führte 1951 der „Sam-Sam“ – ein Potpourri amerikanischer Melodien,
zu denen die Pfeifer tanzten – zu einem regelrechten Drummeliskandal,
der sogar den Einsatz der Polizei notwendig machte! Die Stainlemer haben
– gegen alle Widerstände – den heutigen Showstücken in den
zahlreichen Vorfasnachtsveranstaltungen ohne Zweifel den Weg geebnet.
Ebenfalls 1951 gründeten einige ältere Mitglieder eine Alte Garde.
Ein weiterer Meilenstein in der Cliquengeschichte war sicher 1971 die
Einweihung des Cliquenkellers unter dem Heuwaage-Viadukt. Er war einer der
ersten voll eingerichteten und funktionstüchtigen Cliquenkeller Basels.
1976 konnte die Alte Garde ihren eigenen Keller in einem prächtigen Gewölbe
des „Schönen Hauses“ am Nadelberg einweihen.
Auch am Offiziellen Preistrommeln und –pfeifen setzten die
Stainlemer Marksteine, so etwa 1973 mit der Erfindung des Einheitspreises
oder 1987 mit der erstmaligen Einführung einer gemischten Konkurrenz.
An der Fasnacht zeichneten sich die Alten Stainlemer in den letzten
Jahrzehnten durch bahnbrechendes Auftreten aus. Entwickelten sie in den
1970er-Jahren in der Masse wirkende Züge, die mit prunkvollen Aufbauten
in die Höhe gebaut waren, setzen sie seit etwa 15 Jahren mit äusserst
angriffigen Sujets Marksteine der satirischen Fasnacht. So ist immer
wieder der Satz zu hören: „Das könne numme d Stainlemer!“
Heute beteiligen sich bei den Alten Stainlemern von
den Binggis bis zur Alten Garde ca. 230 Aktive. Weiterhin sind die Alten
Stainlemer eine ausschliessliche Männerclique mit gut geführtem
Nachwuchs. Denn nur die Jungen Stainlemer sichern den Bestand der Clique,
können doch statutengemäss nur Leute im Spiel des Stammvereins
mitwirken, die ihr „Handwerk“ bei den Jungen erlernt haben! Dies führt
zu einem ausserordentlichen Zusammenhalt zwischen den einzelnen
Mitgliedern, so dass alle aus Überzeugung sagen können: „D
Stainlemer...die Glygge!“ |