Alti Stainlemer

Mai 2002


Leicht daneben und der Zeit voraus
Die Geschichte der Alten Stainlemer


1912 beteiligte sich ein kleines, noch namenloses Grüppchen von Freunden aus dem Steinen-Quartier an der Fasnacht. Nachdem dieses Experiment zur Zufriedenheit aller verlaufen war, schritten diese Freunde unter Zuzug weiterer Interessenten zur Gründung einer richtigen Fasnachtsgesellschaft, die sie „Alti Stainlemer“ nannten. Gründungsdatum war der 23. Dez. 1912. Noch heute treffen sich die Stainlemer, zum Schrecken ihrer Familien, am Tag vor dem Heiligen Abend, um den Geburtstag ausgiebig zu feiern.
 Da 1912 die aktive Beteiligung an der Strassenfasnacht ausschliesslich Männern vorbehalten war, wurden auch die Stainlemer naturgemäss als Männerclique gegründet. Bis heute ist die Clique – und dies ist im Cliquenwesen eher eine Ausnahme! – nie von einer Spaltung betroffen gewesen und hatte immer genügend Mitglieder, so dass die Aufnahme von Frauen nie zur Debatte stand!
 1913 beteiligten sich die Alten Stainlemer – eine Handvoll Vortrüppler, 3 Pfeifer, 1 Tambourmajor und 6 Tambouren – mit dem Sujet „Friedenskonferänz im Haag“ an der Fasnacht. Die fasnachtslose Zeit der ersten Weltkriegs überstanden die Stainlemer unbeschadet. Als 1919 die Regierung beschloss, die Fasnacht ausser dem Morgenstraich abzusagen, revoltierten die Stainlemer als einzige Clique gegen diesen Beschluss und zogen nach Binningen, wo sie die Fasnacht feierten. Dieser Coup führte dazu, dass die damals beste Pfeifergruppe, jene der sich auflösenden Beppi-Clique, geschlossen zu der Stainlemern übertrat. Von diesem Zeitpunkt an, waren die Alten Stainlemer eine der führender Fasnachtsgesellschaften, vor allem auch musikalisch.
 In den folgenden Jahren brachten die Stainlemer zahlreiche, noch heutig fängige Märsche zur Uraufführung: d Stainlemer, Pfyffer-Retraite, Pfyffer-Tagwacht, Glopfgaischt, Elfer, Querpfyffer, Ryslaifer, z Basel am mym Rhy  usw.
 Schon 1926 bekannter sich die Stainlemer mit der Gründung der Jungen Stainlemer zu einer nachhaltigen Nachwuchsförderung. Mit ihren Junger brachten sie 1927 auch als erste eine eigentliche Trommelschule auf die Bühne des Drummelis.
 Ebenfalls 1926 erfolgte die Gründung der ersten ‚Guggemuusig’, der heute noch aktiven „Jeisy Migger-Gugge“. Auch hier waren die Stainlemer bahnbrechend, war doch Migger Jeisy ihr Pfeiferchef. Er hat diese ‚Guggemuusig’ zur Belebung des Fasnachtsdienstags ins Leben gerufen. Lange Zeit beteiligten sich zahlreiche Stainlemerr in dieser Gruppe!
 Ein weiterer mutiger und unkonventioneller Schritt war 1936 der Beitritt zum Schweizerischen Tambourenverband. Zu einer Zeit, in der ganz Basel noch über die Trommelkunst der übrigen Schweizer lachte, beteiligten sich die Alten Stainlemer an Tambourenfesten – und dies bis heute mit hervorragenden Erfolgen! Mussten sich die Stainlemer wegen ihres Einsatzes im Tambourenverband jahrzehntelang das Gespött der andern Cliquen anhören, konkurrieren ebendiese Cliquen heute mit grösstem Eifer an solchen Anlässen..
 Nach dem 2.Weltkrieg brillierten die Stainlemer mit unkonventionellen Auftritten am Drummeli. Als alle anderen Cliquen noch lange konventionelle Märsche zum Besten gaben, experimentierten die Stainlemer seit 1947 mit ungewöhnlichen Melodien und Show-Einlagen. Dies trug ihnen neben viel Applaus und Anerkennung auch etliche Neider ein. So führte 1951 der „Sam-Sam“ – ein Potpourri amerikanischer Melodien, zu denen die Pfeifer tanzten – zu einem regelrechten Drummeliskandal, der sogar den Einsatz der Polizei notwendig machte! Die Stainlemer haben – gegen alle Widerstände – den heutigen Showstücken in den zahlreichen Vorfasnachtsveranstaltungen ohne Zweifel den Weg geebnet.
 Ebenfalls 1951 gründeten einige ältere Mitglieder eine Alte Garde. Ein weiterer Meilenstein in der Cliquengeschichte war sicher 1971 die Einweihung des Cliquenkellers unter dem Heuwaage-Viadukt. Er war einer der ersten voll eingerichteten und funktionstüchtigen Cliquenkeller Basels. 1976 konnte die Alte Garde ihren eigenen Keller in einem prächtigen Gewölbe des „Schönen Hauses“ am Nadelberg einweihen.
 Auch am Offiziellen Preistrommeln und –pfeifen setzten die Stainlemer Marksteine, so etwa 1973 mit der Erfindung des Einheitspreises oder 1987 mit der erstmaligen Einführung einer gemischten Konkurrenz.
 An der Fasnacht zeichneten sich die Alten Stainlemer in den letzten Jahrzehnten durch bahnbrechendes Auftreten aus. Entwickelten sie in den 1970er-Jahren in der Masse wirkende Züge, die mit prunkvollen Aufbauten in die Höhe gebaut waren, setzen sie seit etwa 15 Jahren mit äusserst angriffigen Sujets Marksteine der satirischen Fasnacht. So ist immer wieder der Satz zu hören: „Das könne numme d Stainlemer!“

 Heute beteiligen sich bei den Alten Stainlemern von den Binggis bis zur Alten Garde ca. 230 Aktive. Weiterhin sind die Alten Stainlemer eine ausschliessliche Männerclique mit gut geführtem Nachwuchs. Denn nur die Jungen Stainlemer sichern den Bestand der Clique, können doch statutengemäss nur Leute im Spiel des Stammvereins mitwirken, die ihr „Handwerk“ bei den Jungen erlernt haben! Dies führt zu einem ausserordentlichen Zusammenhalt zwischen den einzelnen Mitgliedern, so dass alle aus Überzeugung sagen können: „D Stainlemer...die Glygge!“